Woran unser Bildungssystem krankt und warum die CSU daran nie etwas ändern wird

Matthias Fischbach

Am Samstag fand in Erlangen wieder das Schlossgartenfest der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) mit tausenden Gästen statt. Ministerpräsident Markus Söder nutzte die Bühne, um die formale Absegnung zweier wissenschaftlicher Großprojekte im Kabinett anzukündigen: den Kauf des Himbeerpalasts in Erlangen und die Gründung einer neuen Universität in Nürnberg.

Ich möchte in drei Punkten kurz darlegen, warum man sich von dieser Show nicht blenden lassen darf, und dann ein Alternativ-Konzept vorstellen, das die CSU selbst so nie umsetzen würde.

Späte Reaktion – Erst wenn die Decke auf den Kopf fällt, wird gehandelt

Die Maßnahme, den von der Firma Siemens nicht mehr benötigten Himbeerpalast zu kaufen und zu einem neuen Gebäude der FAU auszubauen, ist ein sinnvolles Projekt, das viele Vorteile bringt. Es ist aber auch eine späte Reaktion darauf, dass einem in den bestehenden Gebäude an der Bismarck- und Kochstraße schon die Decke auf den Kopf fiel. Der Deckenschaden in der Archäologie wurde bundesweit zum Symbol für den Investitionsstau an Hochschulen. Wenn man als Staatsregierung fünf Jahre später endlich die Gelder für den Umzug in einen Ersatzbau freigibt, ist das kein Grund, sich selbst zu feiern oder ein Akt besonderer Großzügigkeit, sondern schlicht eine Notwendigkeit, um den Universitätsbetrieb aufrecht zu erhalten.

Das Prestigeprojekt Uni Nürnberg ist so überflüssig wie ein Kropf

Die Gründung einer neuen Universität in Nürnberg schafft Doppelstrukturen, statt Synergien zu nutzen. Schon heute hat die FAU Erlangen-Nürnberg rund 10.000 Studierende in Nürnberg, zusätzlich gibt es dort die Technische Hochschule. Für den wissenschaftlichen Betrieb wäre es sinnvoller, die bestehenden Strukturen zu stärken und die Einrichtungen noch besser kooperieren zu lassen. So könnte unsere Wissenschaftsregion zur Weltspitze aufschließen. Die Regierung verzettelt sich aber mit einer Neugründung, die Milliarden verschlingt, unnötige Doppelverwaltung bedeutet und Jahrzehnte benötigt, um sich ein Renommee aufzubauen. Auch wenn vor der Wahl etwas anderes suggeriert wird, sind die Finanzmittel des Freistaats begrenzt. Es bleibt schwer zu erklären, warum für Söders Prestigeobjekt in Nürnberg Milliarden locker gemacht werden, während die restlichen Hochschulen des Landes mit Kleinigkeiten und Notmaßnahmen zufrieden sein sollen.

Freiheit zur eigenständigen Hochschulentwicklung – Die Politik sollte sich zurückhalten

Hört man sich an der FAU um, bekommt man viele Zweifel am Sinn des Projekts einer zweiten Universität in Nürnberg zu Ohr. Das war auch schon beim unwürdigen politischen Tauziehen um die TechFak der FAU der Fall. Kein Wunder, die Wissenschaftler wissen selbst ja sehr gut, welche Rahmenbedingungen für die Forschung und Lehre einen Mehrwert bringen. Ob die Politik und die zuständigen Ministerialbeamten in München das besser im Blick haben und nicht von anderen Interessen getrieben sind, muss man in Frage stellen. Die Entwicklung der Hochschulen sollte daher von diesen eigenständig vorangetrieben werden und nicht zur Bühne der ministerialen Einmischung und Selbstdarstellung verkommen. Lasst den Hochschulen mehr Freiheit!

FDP-Konzept der Bildungsgutscheine

Gerade in der Lehre sollten die Hochschulen größtmögliche Freiheit erhalten. Diese Idee haben wir Freie Demokraten in unserem Konzept der Bildungsgutscheine berücksichtigt, was die Finanzierung von Bildungseinrichtungen entpolitisieren wird. Es ist ein Konzept, das zwar nicht zu vollmundigen Politiker-Verkündungen taugt, aber dafür einen Qualitätswettbewerb anstoßen wird. In unserem Landtagswahlprogramm heißt es dazu:

„Weltbeste Bildung für jeden bedeutet für uns Freie Demokraten, dass wir nicht Einrichtungen, sondern jeden Einzelnen mit Hilfe von Bildungsgutscheinen fördern. […] Unser Anliegen ist es, dass Schulen und Hochschulen unabhängiger von politischen Geldgebern werden und sich noch stärker auf beste Qualität ausrichten. Bildungseinrichtungen sollen deshalb für jeden Lernenden auf dem Weg zum Bildungsabschluss einen Betrag in einer Höhe erhalten, der den zu erwartenden Kosten gerecht wird. Ist das gegeben, dann werden die Einrichtungen so viele Lernende aufnehmen, wie es ihre Kapazitäten erlauben – und diese im Erfolgsfall weiter ausbauen. Ausreichende Bewerberzahlen werden sie wiederum nur erreichen, wenn die Qualität des Angebots stimmt.”

Weitere Details in der Langfassung des Landtagswahlprogramms der FDP.