Wie gut sind Pooltests, um Schulen zu sichern?

Matthias Fischbach

Heute starteten wieder viele Schulklassen in den Wechselunterricht mit teilweiser Präsenz. Die Staatsregierung hatte schon bei der Kabinettssitzung am 26. Januar ein Testkonzept angekündigt. Doch bislang besteht das vor allem aus einer Reihentestung, zu der man ins Testzentrum fahren muss. Die Erfahrungen aus der ersten (und bislang einzigen) Lehrer-Reihentestung im Sommer waren aber besonders in diesen Zentren von niedrigen Teilnahmequoten geprägt. Ein wirklich nachhaltiges Konzept fehlt also weiter!

Beim Thema Schnell-Selbsttests verweist das Kultusministerium noch auf eine fehlende Zulassung/Verfügbarkeit. Und statt Pooltestungen aktiv voranzutreiben, wolle man erstmal auf Pilotprojekte warten.

Vor dem Eingang werden die Proben nach Pools in Sammelbecher geschüttet und die Teilnehmer dokumentiert.

Das geht mir zu langsam. Vergangene Woche habe ich mir ein solches Pilotprojekt in Erlangen angesehen. Die Firma Intego GmbH ist hier selbst aktiv geworden und testet seine Mitarbeiter, die nicht in Homeoffice bleiben können, seit Januar mit einem regelmäßigen Pooltest auf Gurgelbasis. Die Methode wurde von Forschern am Vienna BioCenter in Wien erarbeitet und der Intego-Geschäftsführer Dr. Thomas Wagner hat sie zusammen mit Wissenschaftlern der FAU in Erlangen etabliert. Rund 20 Erlanger Schulen wollten lieber nicht auf die Angebote des Kultusministeriums warten und setzen stattdessen auch jetzt schon auf diese Methode.

In diesem Sammel- und Transportbecher wurden bis zu 30 Einzelproben hineingeschüttet und danach zur Auswertung transportiert.

Das Verfahren ist relativ einfach: Zuhause wird nach dem Aufstehen mit Wasser 30 Sekunden gegurgelt und die Flüssigkeit dann in zwei Röhrchen mitgenommen. Draußen vor dem Eingang der Schule oder Firma wird die Probe in einen Sammelbecher gefüllt. Wenn alle aus dem Pool durch sind, kommt dieser direkt ins Labor und wird, wie ein PCR-Test, noch am gleichen Tag ausgewertet. Mit einem Unterschied zum bekannten, medizinischen PCR-Coronatest: Es kann in diesem Fall nur untersucht werden , ob der ganze Pool mit 20-30 Personen coronafrei ist oder nicht. Bei diesem Umfeldmonitoring ist keine individuelle Auswertung möglich. Das erspart viele sonst geltende Auflagen. Fällt der Test positiv aus, kann mit dem zweiten Röhrchen oder individuellen Schnelltests herausgefunden werden, wer betroffen ist und solange schon Quarantäne-Maßnahmen eingeleitet werden.

Durch die hohe Genauigkeit des PCR-Verfahrens ist es trotz der Vermischung mehrerer Proben noch exakter als ein Schnelltest. Gleichzeitig wird kein Abstrich im Rachen benötigt – das ist angenehmer und spart den teuren Einsatz von knappem Personal. Auch von den Materialkosten kommt man um ein Vielfaches günstiger weg, als bei den normalen Testmethoden und kann somit auch relativ einfach ein mehrmaliges Testen pro Woche finanzieren. Deshalb habe ich mich zusammen mit meinem Erlanger MdL-Kollegen Christian Zwanziger am Freitag mit einem Brief an den Gesundheitsminister dafür stark gemacht, dieses Verfahren noch stärker zu beachten. Ein erster wichtiger Schritt wäre dazu eine Erstattungsmöglichkeit für die Pooltests!

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Das Verfahren macht auf jeden Fall zuversichtlich. Es könnte ein weiterer Beitrag zum Schutz von Schulen trotz neuer Corona-Gefahren sein. Weitere Details dazu haben die Initiatoren auf der Seite screeningpools.de dokumentiert.

Eine Pressemitteilung dazu haben unser Gesundheitsexperte Dr. Dominik Spitzer und ich heute ebenfalls verschickt.