Streitthema Abiturprüfungsnoten

Matthias Fischbach

Das Mathe-Abitur in Bayern erregt dieses Jahr die Gemüter. 70.000 Bürgerinnen und Bürger haben eine Petition dazu unterstützt. War das Abi zu schwer? Zu textlastig? Gab es zu wenig Zeit? Ich habe dazu in den letzten Tagen unterschiedliche Einschätzungen von Schülern, Lehrern und Eltern zu hören bekommen. Das Thema treibt sie sichtlich um.

Da das Abitur von so großer Beudeutung ist, maße ich mir aber als bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion eine finale Bewertung noch nicht vor dem ausstehenden Bericht des Kultusministeriums im Bildungsausschuss an.

Aus der heutigen Pressekonferenz des Ministers ist zu vernehmen, dass nach der Erstkorrektur der Schnitt sich diesmal zwischen 3,1 und 3,2 bewege und kein Eingriff geplant sei.

Außerdem wurde laut Pressemitteilung des Ministeriums erklärt:

Im Rahmen des mehrstufigen Kontrollverfahrens im Vorfeld der Prüfung wurden keine Mängel oder Auffälligkeiten festgestellt.

Die nach der Prüfung einbezogenen Experten schätzen die Aufgaben als fachlich einwandfrei, lehrplankonform und hinsichtlich des Schwierigkeitsgrads als anspruchsvoll, aber insgesamt angemessen ein.

Dazu kann ich nur grundsätzlich Stellung nehmen: Der Notenschnitt in den einzelnen Prüfungen schwankt immer etwas. Der Schnitt liegt bei 3,02. Die Standardabweichung nach oben oder unten liegt bei etwa 0,1 Notenstufen. Sprünge von einem Jahr aufs andere fallen auch manchmal größer aus. Das hat auch meine Anfrage zum Plenum aus dieser Woche ergeben. Schwankungen in dieser Größenordnung sind für sich genommen daher normalerweise kein Anlass für die Politik, korrigierend einzugreifen.

Auch wenn man das von der Opposition vielleicht anders erwarten würde, kann ich die Ankündigung des Ministers in diese Richtung daher im Grunde durchaus nachvollziehen.

Abiturergebnisse sollten kein Politikum sein, solange nicht strukturelle Mängel erkennbar werden. Eine gewisse Zurückhaltung ist allein deshalb schon geboten, weil ein einmaliges Aufbessern des Notenschnitts sofort als Präzedenzfall für alle Zukunft gelten würde. Dieser könnte dann jedes Jahr wieder herangezogen werden, um Nachbesserungen bei jeder Abiturprüfung zu verlangen. Eine solche Politisierung der Notengebung kann niemand wollen. Politiker sind nicht die besseren Lehrer.

Was wir aber generell angehen müssen, sind die Fragen, der bundesweiten Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen sowie der Zuschnitt der Abiturfächer im neuen G9. Wir brauchen mehr Fairness und mehr Freiheit. An dieser Stelle sehe ich dringenden politischen Handlungsbedarf. Beim diesjährigen Mathe-Abitur sind wir gut beraten, bei allem Verständnis für die Verunsicherung der Betroffenen, mit kühlem Kopf und der nötigen Ruhe zu analysieren und gut abzuwägen, bevor wir politisch eingreifen.

Meine Anfrage zum Plenum findet sich unten folgend.